02.22.07
Lebenskampf
Veröffentlicht in Bar, Club, Geschichten, Hamburg, Job, Kiez, Leben, Türsteher um 8:33 von xiaolong1
von xiaolong (Orginaleintrag bei blog.de vom 2006-09-25 – 23:20:37
Mein privater Blog, bei dem ich mal anonym bleiben will. Naja, bin kein Superstar, aber viele Menschen kennen mich und mein Gesicht, dort wo ich lebe.
Bin u.a. eine der wenigen Türsteherinnen, und damit meine ich nicht, dass ich nett lächelnd nur dasteh und große gestählerte Typen stehn hinter mir um auf mich aufzupassen.
Es ist irgendwie niedlich wenn einige männliche Gäste mich meinen beschützen zu müßen wenn ich gerade mal wieder einen Konflikt austrage, der in einer körperlichen Auseinandersetzung enden kann und es selten, aber manchmal auch tut.
Wie kann man als Frau sowas machen? Ist das nicht gefährlich so als Frau, allein? Ja, ich stehe allein da, an meiner Tür! Würde man einen männlichen Türsther auch sowas fragen? Die zweite beliebte Frage:“Kannst du irgendeinen Kampfsport?“ Und so sammeln sich die Fragen im Laufe der Nacht.
Meine Chefs sind stolz auf mich, seitdem ich da bin, fast kein Ärger mehr bei uns (Schlägereien, Anzeigen, etc.) und die benachbarte Polizeiwache liebt es mich als Vorzeigetürsteher zu präsentieren.“Die guckt sich die Leute genau an“, so einer von der Kripo mal sagte.
Für mich ist das nur ein Job was ich mache, nicht mein Beruf. Ich lebe nur davon. Der Job macht schon Spass und wird relativ gut bezahlt. Aber oft nervt es auch.
Immer dieselben Szenarien.
Besoffener Pfandflaschensammler, nette Pfandflaschensammlerin die kein deutsch spricht aber wortlos mit mir eine Vereinbarung getroffen hat. Sie bringt mir unsere Flaschen und sie kriegt die Pfandflaschen, die nicht von uns sind und sich vor meiner Tür sammeln.
Seit 2 Wochen haben wir mal wieder Zuwachs bekommen, auf unserer Partymeile. Ein paar neue besoffene Penner, die meinen mich antesten zu müßen. Immer wieder versuchen sie in den Laden zu kommen, solange bis ich dann doch rabiat werden muß. Nervig!
Aber das legt sich. Immer das gleiche Spiel, bei den neuen bei uns aufm Kiez.
Wenn ich so an den Nutten vorbeigehe, auf dem Weg zur Arbeit und jedesmal denke. Scheiße, wie kann man so’n Scheißjob machen und ich dann wieder nen Fön krieg, weil ich weiß das irgend so ne Schlampe versucht hat meinen Mann anzulocken und gemeint hat,wir hätten Blümchensex, dann möchte ich am liebsten zuschlagen. Aber keine Ahnung welche von denen das war.
Keine Angst, hab noch nie wirklich jemand verprügeln müßen, wenn hab ich mich immer nur gewehrt, bei körperlichen Angriffen. Zum richtigen Schlagabtausch ist es nie gekommen. Außer beim Training, aber das ist Spaß. Warn auch immer Männer und nie Frauen und Männer gehen relativ hilflos mit solchen Situation um, obwohl es natürlich immer Ausnahmen gibt. Leute provozieren mich zwar, aber in der letzen Instanz geben sie immer nach oder auf. Man kann zu mir sagen was man will, nur wenn man mich anfasst, dann ist Schluß mit lustig.
Wenn es zu Eskalationen kam, dann immer wenn ich mich, meine Freunde oder meine Familie schützen mußte. Vor solchen Leuten die rumrennen und sich Leute suchen, die in ihren Augen ein gutes Opfer sind um Agressionen rauzulassen. Stets bin ich dann dazwischen, gegangen und komischerweise hören die Leute dann auf. Keine Ahnung was das is, was mich da umgibt und was ich ausstrahle.
Aber seit ich klein war, haben die Menschen in meiner Umgebung sich nach mir gerichtet oder auch das gemacht was ich wollte, selbst Menschen oder gerade Menschen die mich nicht kennen. Sowas nennt man glaub ich Alpha-Tier. Jemand sagte auch mal ich sei ein Bauernfänger. Kein Plan. Ich habe einfach keine Angst vor Menschen und ich habe keine Angst vor dem Tod, vorm sterben schon, aber nicht vorm Tod. Vielleicht ist es auch das? Angst habe ich mehr vom Leben. Aber jetzt will ich schlafen. Denn in ein paar Stunden muß ich wieder mit beiden Beinen fest im Leben stehn. Dobranoc-Gute Nacht! Wünscht euch der kleine Drache (xiaolong) aus der Drachenhöhle.


